Der französische CV: was sich gegenüber dem deutschen Lebenslauf wirklich ändert
Foto, Alter, eine Seite, Wortschatz: was das französische Recht auf dem CV wirklich verlangt und was nur Brauch ist.
Ein französischer CV ist kein übersetzter Lebenslauf. Artikel L1221-6 des französischen Arbeitsgesetzbuchs beschränkt die Fragen eines Personalverantwortlichen auf das, was einen direkten und notwendigen Bezug zur Stelle hat, und Artikel L1132-1 nennt fünfundzwanzig verbotene Diskriminierungsmerkmale. Der Défenseur des droits schreibt in seinem Leitfaden von Juni 2019, ein Foto auf dem CV zu verlangen « kann nur eine Ausnahme sein ».
Was unterscheidet einen französischen CV wirklich?
Wer seinen deutschen Lebenslauf einfach übersetzt, erhält ein lesbares Dokument, das trotzdem auffällt: zu lang, zu persönlich, nach einer Logik gebaut, die in Frankreich niemand sucht.
Drei Merkmale kehren in den CV wieder, die in Frankreich funktionieren. Die Nüchternheit: eine Seite für einen kurzen Werdegang, höchstens zwei für ein erfahrenes Profil, ohne Pflichtfoto und ohne private Angaben. Die umgekehrte Chronologie, von der jüngsten Station rückwärts. Und ein klarer Titel oben auf dem Blatt, der den angestrebten Beruf nennt, nicht die Person.
France Travail, die staatliche Arbeitsagentur, fasst das Format in seinem am 18. September 2025 aktualisierten Merkblatt in einem Satz zusammen: « Trop d'infos tuent l'info », zu viele Informationen töten die Information. Empfohlen wird außerdem ein genauer Titel mit Suchbegriffen, « Technicien informatique » statt « Technicien », weil diese Zeile der Einstieg in die Datenbanksuche ist.
Was darf ein Recruiter in Frankreich rechtlich fragen?
Das überrascht deutschsprachige Bewerber am meisten, denn die klassische Bewerbungsmappe enthält vieles, was in Frankreich wegfällt: Bewerbungsfoto, Geburtsdatum und Geburtsort, Familienstand, Unterschrift mit Ort und Datum, Zeugnisse im Anhang.
Artikel L1221-6 des Arbeitsgesetzbuchs bestimmt, dass die vom Bewerber verlangten Informationen « ne peuvent avoir comme finalité que d'apprécier sa capacité à occuper l'emploi proposé ou ses aptitudes professionnelles », also allein der Beurteilung seiner Eignung für die Stelle dienen dürfen, und dass sie einen direkten und notwendigen Bezug zur angebotenen Stelle aufweisen müssen.
Artikel L1132-1 zählt fünfundzwanzig Merkmale auf, wegen deren eine Bewerbung nicht aussortiert werden darf; Herkunft, Alter, Familienstand, Gesundheitszustand, Wohnort und äußere Erscheinung gehören dazu. Der Défenseur des droits, die nationale Ombudsstelle, rechnet die Merkmale aus europäischen und internationalen Texten hinzu und spricht von « plus de 25 critères de discrimination ».
Zwei praktische Folgen. Das Foto ist nie routinemäßig zu verlangen: der Leitfaden « Pour un recrutement sans discrimination » des Défenseur des droits von Juni 2019 hält fest, ein Foto auf dem CV zu fordern « kann nur eine Ausnahme sein ». Und Ihre Daten bleiben nicht unbegrenzt in den Dateien des Unternehmens: die CNIL, die französische Datenschutzbehörde, schrieb am 30. Januar 2023, die Aufbewahrung eines CV nach einer abgelehnten Bewerbung « n'excède en principe pas deux ans », im Grundsatz also höchstens zwei Jahre ab dem letzten Kontakt, und ein Recruiter dürfe im Bewerbungsstadium weder Sozialversicherungsnummer noch Bankverbindung verlangen.
Welche Rubriken gehören hinein, und in welcher Reihenfolge?
- Coordonnées: Vorname, Name, Stadt, E-Mail, Telefon. Die vollständige Postanschrift ist nicht mehr nötig.
- Titre oder accroche: der angestrebte Beruf, gegebenenfalls mit zwei Zeilen Zusammenfassung.
- Expérience professionnelle: Positionsbezeichnung, Arbeitgeber, Stadt, Zeitraum, dann zwei bis vier Zeilen Aufgaben.
- Formation: Abschlüsse vom jüngsten zum ältesten, mit Einrichtung und Jahr.
- Langues: das Niveau nach dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen, dazu das Diplom, falls vorhanden.
- Compétences und centres d'intérêt: Werkzeuge, Software, Führerschein.
Das französische Bewerbungsdossier ist schlanker: CV und lettre de motivation, sonst nichts. Zeugnisse werden nicht mitgeschickt, ein Deckblatt gibt es nicht, und der CV wird weder unterschrieben noch datiert.
In der Rubrik « Langues » sagt « Français courant » einem Recruiter nichts, der dieselbe Formel auf zehn CV gelesen hat. Schreiben Sie « Français B2 (DELF B2, 2025) »: das Niveau ist verortet, datiert, das Diplom überprüfbar. Unser Online-Einstufungstest liefert vorher einen Anhaltspunkt.
Welchen Wortschatz nimmt man für die Erfahrungen?
Der französische CV kommt ohne « je » aus. Zwei Formen herrschen vor, und man bleibt bei einer. Die nominale, die häufigste: « Gestion d'un portefeuille de trente clients », « Encadrement d'une équipe de cinq personnes ». Die verbale im Infinitiv, dynamischer: « Gérer un portefeuille de trente clients », « Encadrer une équipe de cinq personnes ».
Monate schreibt man klein, Zeiträume heißen « de septembre 2023 à juin 2025 ». Die üblichen Verben sind konkret: encadrer, piloter, coordonner, mettre en place, assurer le suivi de. Ein deutscher Abschluss wird nicht Wort für Wort übersetzt: Nennen Sie den Originalnamen und eine Entsprechung in Studienjahren nach dem Abitur, etwa « équivalent bac+5 » für einen Master.
Welche Sprachfehler verraten einen übersetzten CV?
- Fehlende Akzente, auch auf Großbuchstaben: « Ecole » statt « École », « experience » statt « expérience ».
- Falsche Freunde: « actuellement » heißt derzeit, nicht aktuell im Sinne von brandneu; « une licence » ist ein dreijähriger Abschluss; « un stage » ist ein Praktikum; « le chef » ist schlicht der Vorgesetzte.
- Erfundene Bezeichnungen: eine wörtlich übersetzte Stellenbezeichnung ergibt oft einen Beruf, den es nicht gibt. Nehmen Sie den nächstliegenden französischen Titel und setzen Sie das Original in Klammern.
- Die lettre de motivation als Zusammenfassung des CV: sie erklärt die Verbindung zwischen Ihrem Weg und genau dieser Stelle. Unser Artikel « Eine geschäftliche E-Mail auf Französisch schreiben: Wendungen und Regeln » führt die erwarteten Formeln auf.
Was diese Regeln nicht sagen
Das Gesetz beschreibt, was ein Recruiter fragen darf, nicht was praktiziert wird: Fotos kursieren weiter auf CV. Das eigentliche Argument liegt anderswo, ein Foto fügt eine Information hinzu, die der Recruiter nicht verwenden darf.
Auch die Formkonventionen sind keine Regeln: die eine Seite ist ein Brauch, in der Beratung strenger als in der Forschung. Und alles Bisherige betrifft Frankreich, denn Québec, Belgien und die Schweiz haben eigene Gewohnheiten und einen eigenen Rechtsrahmen. Und ein makelloser CV gleicht kein zu niedriges Französischniveau aus: findet das Gespräch auf Französisch statt, liegt die nützliche Arbeit nicht im Dokument, sondern im Sprechen.
Bei Frenchee findet der Unterricht live per Video mit diplomierten Muttersprachlern statt, einzeln oder in kleinen Gruppen von drei bis fünf Teilnehmenden, ohne Abo. Den CV durchgehen, die klassischen Fragen eines Vorstellungsgesprächs üben und den Wortschatz der Branche aufbauen sind Ziele für die erste Stunde.
Quellen
- Code du travail numérique, französisches Arbeitsministerium, Artikel L1221-6 und L1132-1
- Défenseur des droits, « Pour un recrutement sans discrimination », Juni 2019
- CNIL, « Recrutement et données personnelles dans les TPE/PME », 30. Januar 2023
- France Travail, « Comment rédiger un CV efficace et percutant », aktualisiert am 18. September 2025
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