En France, au Japon, à Cuba: Welche französische Präposition vor Orten?
en, au, aux oder à? Entscheidend sind Genus und Numerus des Ortsnamens, nicht die Entfernung.
En France, au Japon, aux Pays-Bas, à Cuba: vier Präpositionen für eine einzige Idee. Die Wahl hängt weder von der Entfernung noch von der Größe des Landes ab, sondern von zwei Fragen: Steht der Name im Plural, und wenn nicht, ist er männlich oder weiblich? Die Sprachbehörden von Québec und Kanada geben dieselbe Regel an.
Welche Präposition steht vor einem Ländernamen im Französischen?
Zwei Fragen, in dieser Reihenfolge. Steht der Ländername im Plural? Wenn nicht, ist er männlich oder weiblich?
- en vor einem weiblichen Land oder einem männlichen mit vokalischem Anlaut: en France, en Allemagne, en Autriche, en Suisse, en Iran, en Ouganda.
- au vor einem männlichen Land mit konsonantischem Anlaut: au Japon, au Canada, au Brésil, au Maroc, au Portugal, au Danemark.
- aux vor einem Land im Plural: aux Pays-Bas, aux États-Unis, aux Philippines.
Für deutschsprachige Lernende ist ein Punkt besonders wichtig. Das Deutsche trennt Ziel und Ort: nach Frankreich fahren, aber in Frankreich sein, in die Schweiz reisen, aber in der Schweiz wohnen. Das Französische trennt hier nichts: je vais en France und je suis en France, dieselbe Präposition für beides. Der Nachteil: eine vertraute Unterscheidung fehlt plötzlich.
Die Banque de dépannage linguistique des Office québécois de la langue française formuliert die Regel so: en steht vor weiblichen Ländernamen und vor solchen, die mit einem Vokal oder stummem h beginnen, au vor männlichen mit konsonantischem Anlaut. Die Länderliste des kanadischen Sprachportals, die für jedes Land Artikel, Genus und Präposition angibt, kommt zu denselben Formen und ergänzt den Plural. Dass ausgerechnet die Niederlande und die USA aux verlangen, ist übrigens leicht zu merken: Sie sind auch im Deutschen Pluralwörter mit Artikel.
Genau genommen sind es nicht drei Präpositionen, sondern eine: au ist die Verschmelzung von à und le, aux die von à und les, wie im Deutschen zu dem und zum.
Woran erkennt man, ob ein Land männlich oder weiblich ist?
Das ist die eigentliche Schwierigkeit, und sie ist kleiner, als sie aussieht, aus einem Grund, den Lehrbücher selten nennen: Das Genus spielt keine Rolle, wenn der Name mit einem Vokal beginnt. Iran, Irak, Ouganda und Israël sind männlich und verlangen trotzdem en, genau wie die weiblichen Länder. Das Genus entscheidet nur in einem Fall, bei Ländern im Singular mit konsonantischem Anlaut.
Dafür hilft ein Anhaltspunkt, der oft zutrifft: Namen auf e sind meist weiblich (la France, la Chine, la Belgique, la Colombie, la Tunisie), die übrigen meist männlich (le Japon, le Maroc, le Brésil, le Portugal, le Vietnam). Das ist eine Eselsbrücke, keine Regel, und ihre Ausnahmen sind bekannt: Dieselbe Länderliste führt le Mexique, le Cambodge, le Mozambique und le Zimbabwe als männlich, daher au Mexique.
Der praktische Rat passt in einen Satz: Lernen Sie nicht das Genus von zweihundert Ländern, sondern das der zehn oder fünfzehn, über die Sie wirklich sprechen, Ihr eigenes, das Ihrer Familie, die Länder Ihrer Arbeit. Der Rest lässt sich in zehn Sekunden nachschlagen.
Und Städte, Inseln und Länder ohne Artikel?
Vor einem Städtenamen steht à: à Paris, à Berlin, à Vienne, à Montréal. Enthält der Städtename selbst einen Artikel, gilt die Verschmelzung wie sonst auch: le Caire wird zu au Caire.
Vor Inselnamen schwankt der Gebrauch, und der Eintrag zu den Inseln derselben Banque de dépannage linguistique erklärt sehr einleuchtend, warum: à lässt den Ort als Punkt erscheinen, en dagegen in seiner Ausdehnung. Daher à Cuba, à Madagascar, à Malte, à Chypre, à la Guadeloupe, à la Martinique, aber en Corse, en Irlande, en Islande, en Sardaigne für große Inseln, die wie Länder behandelt werden. Trägt die Insel einen Artikel, sind beide Formen richtig: en Guadeloupe gilt so gut wie à la Guadeloupe.
Bleibt der Fall, der am meisten überrascht: Rund zwanzig Länder stehen ganz ohne Artikel, darunter Cuba, Israël, Madagascar, Malte, Monaco, Singapour, Haïti, Chypre und Oman. Die Präposition folgt dann der Logik der Inseln: à Cuba, à Madagascar, à Singapour, aber en Israël, männlich mit vokalischem Anlaut.
Warum hört man «sur Paris», und sollte man es nachmachen?
Wer Französischsprachigen beim Reden über ihre Arbeit zuhört, hört schnell je travaille sur Paris oder j'habite sur Lyon. Die Wendung ist überall, besonders in Stellenanzeigen.
Die Académie française widmet ihr einen Eintrag ihres Wörterbuchs, Sur Paris, und ihr Urteil ist deutlich: Diese arme Präposition sur sei überstrapaziert, man setze sie überall ein. Sie unterscheidet Bewegungsverben, bei denen die Konstruktion einigermaßen vertretbar ist, von Zustandsverben, bei denen sie es nicht ist: on habite à Paris, nicht sur Paris. Für eine Fahrt erinnert sie an pour, wie in partir pour Lyon.
Für Lernende ist der Schluss einfach: verstehen, nicht übernehmen. Unter Freunden kostet es nichts, schriftlich aber fällt es auf, in einem Motivationsschreiben oder in einer Prüfung. Es ist derselbe Reflex wie bei den Fehlern, die auch Muttersprachler machen und die wir in Die häufigsten Grammatikfehler im Französischen behandeln.
Was diese Regel nicht klärt
Sie lässt echte Grauzonen, und die offiziellen Quellen geben das zu. Für Haïti schreibt die kanadische Liste selbst j'irai en, oder à, Haïti. Bei Guadeloupe und Martinique schwankt der Gebrauch. Es gibt also Fälle, in denen zwei Antworten gleich richtig sind.
Sie sagt auch nichts über französische Regionen und Departements, wo der Gebrauch deutlich unregelmäßiger ist, und nichts über den Abstand zwischen Norm und Alltagssprache: sur Paris ist falsch und trotzdem allgegenwärtig, wie andere Abweichungen, die wir in Québecer Französisch und Französisch aus Frankreich beschreiben.
Und wer ganz am Anfang steht, sollte nicht hier beginnen. Ortspräpositionen setzen sich fest, indem man über sich spricht und zuhört, nicht durch das Auswendiglernen einer Länderliste. Unser Artikel Französisch bei null anfangen schlägt eine Reihenfolge vor, und der Einstufungstest zeigt Ihnen, wo Sie heute stehen.
Bei Frenchee werden solche Automatismen im Sprechen aufgebaut, mit diplomierten Muttersprachlern, im Einzelunterricht oder in kleinen Gruppen von drei bis fünf Teilnehmenden, live und ohne Abo. Zu sagen, woher man kommt und wohin man fährt, ist oft das erste echte Gespräch im Französischkurs.
Quellen
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